Tagebuch

Was so im Kopf schwebt

Liebesgedichte ausleihen, in der Hoffnung auf Versöhnung mit dem Thema.

Der Oberkörper steckt in einem Gerät, das mein Opa in seiner Garage hat, um kleinere Gegenstände, an denen er werkelt, festzuklemmen. Kleinere Gegenstände, zum Beispiel mein Herz.

Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen, nur Gott allein?

Dies hab ich abendlich zitiert, angestachelt von meiner älteren Cousine, die uns beiden wünschte, dass wir doch endlich an Gott glauben mögen, dann ist in die Kirche gehen vielleicht nicht mehr so ätzend. Ungefähr im gleichen Zeitraum entwickelte ich den Zwang, jeden Abend vorm Einschlafen alle Menschen, die ich lieb hatte, aufzuzählen. Die Reihenfolge muss stimmen und ich darf niemanden vergessen, sonst stirbt die Person heute Nacht. Ich bin klein, mein Herz ist schwer, die Verantwortung aller, die ich liebe lastet auf mir.

In diesem Moment riecht es in der Stadtbücherei nach Geflügelwurst, in meinem Stadtteil riecht es seit gestern Abend nach Menschenkot.

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