Tagebuch

Bonkers

Heute Nacht habe ich mit einer Göttin geredet und sie meinte ich soll standhaft bleiben… Vielleicht entgleise ich gerade ein wenig, aber vielleicht bin ich auch so klar wie nie. Auf meinem Krisenspaziergang sind mir 5 Hunde begegnet, 2 Teeniejungs – getrennt voneinander – und zu viele Männer (3). Ich bin den Berg hochgestapft, den ich immer hochstapfe, wenn die Gefühle meine Brust zerdrücken und mir die Gedanken aus der Nase laufen. Ich zerbreche dann Stück für Stück, aber sammle mich währenddessen schon auf, ganz ruhig, das kennen wir schon, hier, vielleicht hilft ein Tee für einen kurzen Moment und wir könnten ja auch was malen. Ich habe drei Seiten getippt heute, keinen einzigen Satz meiner Masterarbeit gewidmet, dafür Selbstfürsorge im großen Stil betrieben und eben Bäume umarmt. Der erste Mensch, dem ich auf meinem „ich bin ganz alleine auf der Welt“-Spaziergang begegnet bin, war ein Teenager, der genau die Route hatte, die ich immer nehme; Berg hoch, keine Verschnaufpase, weil es schön ist wenn die Lunge brennt, dann durch den Schlammweg, links auf den Asphalt und bis zur komisch schräg platzierten Bank an der Gabelung. Ich hab mich gefragt, was der da wohl macht, Donnerstagnachmittags ganz alleine den Berg hoch, wie komisch von ihm. Auf dem Schlammweg angekommen war es mir doch zu blöd, ihm weiter zu folgen, also bin ich rechts abgebogen und einem Kranich begegnet, den ich erschreckt habe. Ich bin stehen geblieben und habe ihn beobachtet, er hat mich beobachtet, ich dachte süß, wir beide sind ganz allein auf der Welt, aber dann teilte er mir telepathisch mit, ich solle verschwinden, ich versaue ihm gerade die Jagd. Also bin ich weiter gestapft, irgendwie wütend, irgendwie hoffnungslos, irgendwie voll und leer, immer weiter Richtung Bank, wo ich den Teenager sitzen sah. Das machte mich etwas sauer, wie frech, das ist meine Bank, hau ab. Er stand tatsächlich auf, tut mir Leid, ich setzte mich. Auf dem Feld leuchtete etwas gelb, also ging ich hin. Ein Spielflugzeug, wie schön. Ich watete zurück auf den Weg, zwei mal bin ich fast ausgerutscht, hat niemand gesehen. Ich bin ganz allein auf der Welt, aber am Horizont laufen Hunde. Ein Mann sagte mir hallo, ich grüßte freundlich zurück und machte mich auf den Heimweg. Berg runter an der steilsten Stelle, hier waren wir beide auch mal und aua aua aua. Das letzte Mal, dass ich hier war und Bäume umarmen musste ist ziemlich genau ein Jahr her und das ist doch auch eine gute Bilanz, eigentlich.

Ein gelbes Spielflugzeug auf einem Feld, im Hintergrund der Horizont mit buntem Himmel und grauen Wolken Ein Kranich auf einem Feld, im Hintergrund Himmel und graue Wolken

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