Tagebuch

Bitches in the Woods

Ich bin um 4:20 Uhr aufgewacht und habe zwei Mails, vor denen ich mich seit Tagen drücke, abgeschickt, in der Hoffnung, davon müde zu werden (dumm, ich wurde davon noch wacher). Meine Katze sitzt auf meinem Kleiderschrank und beobachtet ein Insekt dabei, wie es die Wand entlang krabbelt, genügend stimuliert nur durchs Zusehen, kein Impuls, mich durch Mord vor Mückenstichen zu retten.

Die Hitzewelle des Endlich-Sommers tanzt mit dem Urlaubsmodus, in dem das Gehirn ist, sobald es T-7 Tage sind bis zur Reise. Meine Masterarbeit existiert für mich nicht, Sonntag Freibad. Montag See, Mittwoch See, Donnerstag Freibad. Jedes Jahr fahre ich an meiner Geburtstagswoche mit meinen besten Freundinnen irgendwohin, wo es Wasser, Sonne und Bier gibt und diesmal ist die Wahl auf eine Hütte im Wald gefallen. Ungefähr so stell ich mir das vor:

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Letztes Jahr, in einer Hütte am See, sind wir ungeplant auf einer Party gelandet. Wir saßen im Haus, hatten das ein oder andere konsumiert und dachten uns, wie schön es jetzt wäre, aus dieser Isolation, in der wir fünf uns befanden, zu entkommen. Wir gingen an den See spazieren, um irgendwas zu tun zu haben, und hörten plötzlich lautere Musik aus Richtung der kleinen Siedlung, in der wir wohnten. „Da hat jemand mehr Spaß als wir“. Wir liefen auf die Musik zu, an deren Quelle ein kleines Fest im Sitzbereich einer Imbissbude mit Livemusik stattfand. Lauter Tschechen, eine Band, die Songs spielte, die wir nicht kannten, oder wir kannten sie, aber der Text war von englisch auf tschechisch übersetzt worden, ein unermüdliches Fass feinstes Pils und wir, uns auf Bierbänken gegenübersitzend und einfach nur über die Situation staunend. Als wir uns daran gewöhnt hatten, normalster Urlaubsmoment, fingen wir an, mit den anderen Anwesenden zur Musik zu tanzen. Es war genau, wie ich es mir in einer mittelalterlichen Taverne vorstelle, wir waren die Fremden auf Durchreise, die man tolerierte, aber leicht misstrauisch beobachtete. An den Abbruch der Party erinnere ich mich kaum, es gab einen Höhepunkt, wir, in Ekstase vor lauter Glück über diesen Zufall, die Band spielte einen poppigen Rocksong, ich wusste nicht, ob ich mich aufs Lachen oder Tanzen konzentrieren sollte, die Mücken drehten spiralförmige Runden um unsere Köpfe, geflochtene Haare, Fleecejacke, Turnschuhe und eine gute Zeit. Alle schienen betrunken, trotzdem wurde sich aufs Fahrrad oder ins Auto gesetzt, ein Glück wohnten wir gleich den Hügel rauf und konnten nach Hause laufen. Der vielleicht schönste Urlaubsmoment seit ich mir als Teenagerin, in einer Hütte im Wald sitzend, gewünscht habe, wenn ich groß bin auch mal hier hinzufahren, ohne Verwandtschaft, mit Freundinnen und Bier.

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